Knapp 36 Jahre nach dem letzten Militärputsch in der türkischen Republiksgeschichte soll es wieder passiert sein: ein Versuch, die Regierung zu stürzen. Für Staatspräsident Erdoğan und seine Regierungspartei AKP sind die Verantwortlichen schnell gefunden: Er bezichtigt den islamischen Geistlichen Fethuhllah Gülen und seine Anhänger des Putschversuches. Gülen unterhält private Bildungs- und Dialogeinrichtungen in über 160 Ländern, betreibt Elitenförderung. Viele Jahre war er ein enger Vertrauter Erdoğans, heute lebt er im Exil in den USA. Kritiker beanstanden die Intransparenz der Gülen-Bewegung. Es sei weder klar, wer welche Posten besetzt, noch wofür Spendengelder verwendet werden. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte dazu der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im August: „Die Gülen-Bewegung muss selbst Klarheit schaffen, was sie eigentlich ist, eine islamisch-konservative Glaubensgemeinschaft, ein missionarisches Karrierenetzwerk oder eine islamistisch-politische und letztlich radikale Bewegung.“ Der türkische Konflikt schlägt Wellen bis nach Deutschland. In Berlin, der größten türkischen Diaspora, wird darüber gestritten wie in den Straßen Istanbuls. Welche Auswirkungen hat das auf den Alltag der Berliner Türken?

Ein Film von Charlotte Schönberger und Christina Özlem Geisler.

Kamera: Charlotte Schönberger, Haik Büchsenschuss, Richard Marx, Timo Nicolas
Montage: Olaf Voigtländer